Dorfplatz und Kapelle Lohrsdorf

Eine etwas andere Geschichte: Lohrsdorf von der Steinzeit bis in die Neuzeit

Die Kapelle als Bruchsteinbau bis 2003. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde sie dann mit dem heutigen „mauernahen Putz“ versehen, wie er wohl über Jahrhunderte ausgesehen hat.
Die Kapelle als Bruchsteinbau bis 2003. In enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege wurde sie dann mit dem heutigen „mauernahen Putz“ versehen, wie er wohl über Jahrhunderte ausgesehen hat.

Der ungeheure Druck der aufeinander driftenden europäischen und  afrikanischen Kontinentalplatten hatte die Alpen bis hin zum rheinischen Schiefergebirge hoch geschoben. Das flüssige Magma und die heißen Gase tief unter der Erdkruste entluden sich regional in Vulkanen oder blieben dicht unter der Erdoberfläche stecken. Sie schoben die Kegelberge des Neuenahrer Berges und der Landskrone aus dem gewölbten bis nach Remagen reichenden Ahrsattel heraus. Die entstandenen Leerräume unter der Erdkruste brachen ein und ließen oberirdisch Täler entstehen. Die Ahr änderte bei Dernau ihren Lauf und schuf sich ostwärts ihr Bett, um bei Kripp in den Rhein zu münden. Der kleine Lohrsdorfer Bach nutzte das Einbruchstal zwischen Koppen und Heuberg und floss geradewegs in die Ahr, bevor Menschen seinen Lauf veränderten.
Vor vielen tausend Jahren durchstreiften Jäger der Steinzeit die Flussauen der Unter- und Mittelahr. Sie trafen auf eine abgeflachte Stelle am östlichen Hang des Heuberges, nahe einem Bach, der einige hundert Meter nordwärts entsprang. Einer von den Jägern verlor auf dem Koppen sein scharfes Steinmesser. Seine Gefährten brieten im Feuer aufgeschichteter Baumzweige ihre Jagdbeute und lagerten sich an diesem von Sturm und Hochwasser geschützten Platz in schnell aus Zweigen und Schilf unter einem Bergvorsprung errichteten Schutzhütten.
Der Wildreichtum und der ideal geschützte Platz am Bach lockte die Familien der Jäger dorthin und ließ sie sesshaft werden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die hier lebenden Menschen zu einer Sippe, die sich hauptsächlich von Ackerbau und Viehzucht ernährte.
Einwandernde Kelten und die germanischen Eburonen siedelten um diesen Platz herum und schufen einen Dorfplatz als Versammlungsstätte der Männer. Die heidnischen Römer unterwarfen diese zu einem Dorf angewachsene Lebensgemeinschaft und brachten ihr den Weinbau bei.
Einige Jahrhunderte später übernahmen die Franken diese Dorfgemeinde und brachten das Christentum mit. Sie bauten an dem Dorfplatz eine vermutlich hölzerne Kapelle und begruben vor dem Gotteshaus ihre Toten. Lohrsdorf, das seinen Namen von dem fränkischen Kaiser Ludwig erhalten hatte, ging als kaiserliches Lehen an den Biographen Karls des Großen, Einhard, für das von diesem gegründete Kloster Seligenstadt. Die Kapelle beherbergte kurzfristig die Reliquien der Heiligen Petrus und Marcellinus, die durch Einhard von Aachen zum Kloster Seligenstadt übertragen wurden.
„881, 882, 883, 891 und 892 n.Chr. waren die Normannen grausam alles verschlingend im Ahrgebiet schrecklich gegenwärtig“. Die Wikinger überfielen und mordeten unter Führung ihrer Goden im Ahrtal. Auch die Kapelle in Lohrsdorf ging damals in Flammen auf.
Die Lohrsdorfer Kapelle zählt nach dem Urteil von Heimatforschern zu den „Urkirchen“ der Reichsherrschaft Landskron, ja zu den ersten Kirchen an der Ahr überhaupt. Als Landkirche hatte sie den Grundriss einer Basilika mit einem Rechteckchor. Sie gehört kirchenrechtlich als Filialkirche zur Pfarrei Heimersheim und kommunalrechtlich als einziges Gotteshaus zur Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler.
1206 n.Chr. ließ der deutsche Stauferkönig Philipp von Schwaben die Reichsfeste Landskron auf dem "mons Gimiche" (=Landskrone!) bauen und beauftragte Verwandte des "Gerichuin von Sinzig" mit der Bewachung der Reichsfeste. Jahrhunderte hindurch wurde der Dorfplatz nun der Versammlungsort der Gemeinde, von deren Kapelle die Glocke alle zum mit Nussbäumen umstandenen Dorfplatz riefen und der Gemeindediener, der „Schellemann“, die Anordnungen des Burgherrn verkündete. Hier wurde auch an regenfreien Tagen Gericht gehalten. So verurteilte das Lohrsdorfer Gericht 1753 den Diebstahl eines 15 jährigen Jungen zu 50 Stockschlägen durch den Gerichtsboten vor der ganzen Gemeinde. Der Vater des Jungen entging dieser öffentlichen Züchtigung durch die Zahlung eines Goldgulden an den Burgherrn.
Aber auch politische Entscheidungen wurden hier mit überirdischer Weisung begründet:
Am 19. Dezember 1401 verkündete ein Lohrsdorfer, namens Nikolaus, ein vertrauenswürdiger Mann von hohem Ansehen, vor der ganzen Dorfgemeinde im Lohrsdorfer Nussgarten, dem heutigen Dorfplatz, dass die verstorbene Burgherrin Ponzetta, geborene v. Landskron, in Green und Lohrsdorf vor den Schultheißen und Geschworenen erschienen sei, und dem Friedrich von Tomberg und Gerhard von Einenberg sowie deren Söhnen und Erben alle Herrschaftsrechte kraft ihrer väterlichen und mütterlichen Erbschaft übertragen habe. Der Dorfplatz in Lohrsdorf als Tagungsort des Lohrsdorfer Geschworenengerichts allein besaß die geschichtliche Bedeutung, um einer solchen immensen Herrschaftsübertragung den nötigen rechtlichen Rahmen und die öffentliche Anerkennung zu verleihen.
1754 n. Chr. ließen ein oder mehrere unbekannte Stifter das heute an der Stirnseite des Dorfplatzes stehende fünf Meter hohe Kreuz errichten mit den eingemeißelten Namen der Heiligen Petrus und Marcellinus, einer Aussetzungsnische für die Monstranz  bei der Fronleichnamsprozession und der Mahninschrift: „Gott ALLEIN (!) die Ehr“. Dieses durch seine Doppelquerbalken als Lothringer Kreuz charakterisierte Lohrsdorfer Kreuz lässt die damals über 900 jährige Zugehörigkeit Lohrsdorfs zum Mittelreich des deutschen Kaisers Lothar I. aufleuchten, dokumentiert die Funktion des Kreuzes als Herrschaftsanspruch der Lothringer, des Herzogs von Jülich oder des Bischofs von Trier.

Am 7. September 2007 wurde der Dorfplatz in seiner heutigen Form eröffnet.
Am 7. September 2007 wurde der Dorfplatz in seiner heutigen Form eröffnet.