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  1. Geschichte

Lohrsdorf, erstmals erwähnt im Jahre 828

Die Geschichte von Lohrsdorf und Green

Lohrsdorf und Green und ihre Geschichte

Von der Ahrmündung, in der Nähe des Sinziger-Kreisels auf der B9, fährt man über die B266 Ahr-aufwärts in das geschichtsträchtige untere Ahrtal. Es öffnet sich ein erster, weiter Talkessel, an dessen Anfang Bad Bodendorf liegt, und der im Westen durch die Engstelle zwischen Ehlinger Berg und Lohrsdorfer Koppen begrenzt wird. Der Hang im Norden des Kessels gehörte bis zur Reblauskatastrophe, Ende des 19. Jahrshunderts, zu den besten Weinlagen der Ahr. Im Talkessel zeichnen sich in der Vegetationsperiode manchmal die Umrisse von Gebäuden durch Nuancen im Farbton der aufgehenden Saat ab. Hier dürften noch Fundamente aus der Römerzeit zu finden sein. Und auf dem Lohrsdorfer Koppen findet der Wanderer manchmal Reste römischer Flachziegel, Überbleibsel einer römischen Siedlung. Heute steht der nordwestliche Teil der Berghänge des Talkessels unter Naturschutz mit den bekannten „Lohrsdorfer-Orchideenwiesen“.

Nach der Engstelle erreicht die Straße Lohrsdorf, seit 1970 Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler. Allseits von Berghängen umgeben, im Westen im Schutz des Vulkankegels Landskrone, bildet sich hier ein Mikroklima mit 1 bis 2 Grad höherer Temperatur als im übrigen Ahrtal. Kein Wunder, dass die deutschen Kaiser immer ein besonderes Interesse an diesem Ort bekundeten, ihn in unmittelbarer Reichzugehörigkeit behielten und, dass damit die Lohrsdorfer sich weit bis ins 19. Jahrhundert „zum Reich“ zählten. Die erste urkundliche Erwähnung findet man auf der Schenkungsurkunde Kaiser Ludwig des Frommen, der im Jahre 828 seinem Lehrer und dem Lebensbeschreiber Karls des Großen, Einhard, ein 150 Hektar großes Gut an der Ahr schenkte, dass von nun an den Namen Ludovesdorf (althd.: Hludovesthorp, also Ludwigsdorf) führte. Auch in der Folgezeit wurde dieses gesegnete Fleckchen häufig von den deutschen Kaisern für Geschenke zu besonderen Gelegenheiten genutzt. So hatten die Abtei Prüm seit 893, die Klöster Lisborn und Überwasser seit 1151 und Maria Laach seit 1161 hier Besitztümer. Mit dem Bau der Burg Landskron im Jahr 1205 durch Philipp von Schwaben wurden die Orte Lohrsdorf und Green dieser Reichsfeste zugeschlagen und hatten die Versorgung der Burg zu gewährleisten. Dazu leistete die Wassermühle in Green, die bis heute besteht, ihren besonderen Beitrag. Die Burg bestimmte von da an das Leben in den Gemeinden bis zu ihrer Abbruch 1682 durch den Herzog von Jülich, weil nach dem Brand von 1677 sich immer wieder räuberische Banden in den Ruinen festsetzten. Bis dahin wirkte sie als mächtige Festung am Eingang zum Ahrtal und schützte die Aachen-Frankfurter-Heerstraße, Verbindungs- und Pilgerstraße nach Aachen, die auch heute noch an verschiedenen Stellen in der Gemarkung von Lohrsdorf zu erkennen ist. Heute künden nur noch wenige Mauerreste von der einstigen Größe der Reichsfeste Landskron.

Die A 61 für Kaiser und Könige führte direkt an Lohrsdof vorbei

Heimersheim und Umgebung 1808 aus dem Rheinischen Städteatlas
Viele Jahrhunderte war die "Aachen-Frankfurter Heerstraße" (AFH), die zwischen Sinzig und der Grafschaft auch den Kreis Ahrweiler durchquert, eine der wichtigsten mittelalterlichen Wegeverbindungen überhaupt. Ihr Trassenverlauf ist noch deutlich erkennbar, so wie am Königsgraben bei Kirchdaun. "Das Bodendenkmal muss unter Schutz gestellt werden", fordert Andreas Schmickler aus Kirchdaun.

Kaiser und Könige, Pilger, Händler und auch viel normales Volk ist über die alte AFH gezogen, die ab 1028 auch als "Krönungsstraße" bezeichnet wurde. Die Räder der schweren Ochsenkarren und die Hufe der Pferde haben in der Landschaft tiefe Spuren hinterlassen, die auch heute noch an verschiedenen Stellen im Kreis Ahrweiler gut zu sehen sind - am eindrucksvollsten sicherlich im Bereich der "Kaiserkammer" bei Bad Bodendorf und auch am Ortsrand von Kirchdaun. Benutzt wurde sie bis in das 19. Jahrhundert hinein. 252 Kilometer war die unbefestigte Straße lang, sie führte von Frankfurt aus nach Aachen.

In der Stadt am Main wurden mehr als 30 Könige und Kaiser gewählt, die dann in prächtigem Zug zur Krönung in die Stadt Karls des Großen zogen. Und auch dieser selbst hat sie nachweislich benutzt, schon bevor Aachen 796 geistiges Zentrum des Reiches der Karolinger wurde. Weitere urkundlich nachgewiesene Reisende auf der AFH waren zum Beispiel im Jahr 1028 Heinrich III. und 1066 Kaiser Heinrich IV.; 1153 durchquerte Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit seinem Krönungszug den heutigen Ahrkreis und nächtigte in der Pfalz der Barbarossastadt Sinzig. 1204 ritt Philipp von Schwaben zur Königskrönung und legte 1206 auf dem Weg den Grundstein zur Burg Landskron, um die Heerstraße zu sichern. 1214 reiste Friedrich II. mit seinem ganzen Heer nach Aachen. Der Umfang eines kaiserlichen Gefolges wird auf mehr als 1000 Personen geschätzt. Auf der Heerstraße war damals ein Betrieb vergleichbar mit dem Verkehr auf der A 61.

Anders als die römischen Straßen, die schnurgerade angelegt wurden, entwickelte sich die AFH, den Bodengegebenheiten angepasst, von allein. Sie wurde nie befestigt und grub sich deshalb besonders an Steigungen tief in den oft sandigen Boden ein. Bis Sinzig folgte sie im Rheintal der alten Römerstraße, bog dann nach Bodendorf ab, stieg über 100 Meter an (am Kapellchen bei Ziersheck sind die Spuren noch besonders deutlich zu sehen), ging vorbei am Köhlerhof nach Kirchdaun (hier gibt es noch den "Königsgraben"), über das "Deutsche Eck" in Richtung Eckendorf und nach Rheinbach.

An der Fritzdorfer Mühle war mit 260 Metern der höchste Punkt der Straße erreicht. Schwer hatten die Ochsen zu ziehen, um die Karren von Sinzig aus auf die Höhe zu bringen. Mit Pferden ging es schneller, wie noch sichtbare Überholspuren beweisen. Wenn während des Mittelalters die Menschen auf Reisen gingen, waren es meist Pilgerreisen. Ziel war die Aachener Pfalzkapelle, die als bedeutendstes Wallfahrtsziel auf deutschem Boden galt. Ab 1215 wurden dort auch die Gebeine Karls des Großen verehrt. Und alle Pilger aus Süden und Westen reisten über die Straße. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft im Spätmittelalter bekam sie weitere Bedeutung als Handelsweg, der mit Süddeutschland und Flandern zwei wichtige europäische Zentren verband.

Noch bis zu Beginn der Eisenbahnzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Straße als Postroute bekannt und verlor erst danach ihre Bedeutung. Auf alten Karten und auch auf Luftaufnahmen ist wegen der veränderten Bodenfestigkeit die Trasse noch genau zu erkennen. Es müssen Millionen von Menschen gewesen sein, die in mehr als 1000 Jahren über die Straße zogen. Intensiver Ackerbau und Flurbereinigung ließen die Route mehr und mehr untergehen.

An einzelnen Stellen sind Hohlwege noch erhalten und sollten nach Ansicht von Andreas Schmickler baldmöglichst unter Denkmalschutz gestellt werden, um weiteren Verfall oder gar Überbauung zu verhindern. Entsprechende Anträge sind gestellt, wie Landrat Jürgen Pföhler auf Anfrage von Wolfgang Schlagwein in der jüngsten Kreistagssitzung bestätigte. Die Menschen aus 1000 Jahre deutscher Geschichte zogen schließlich durch unsere Gegend und über diese unbefestigte Straße.

Jochen Tarrach