Lohrsdorf im Blickpunkt der Geschichte

Die A 61 für Kaiser und Könige führte direkt an Lohrsdof vorbei
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Heimersheim und Umgebung 1808 aus dem Rheinischen Städteatlas

Viele Jahrhunderte war die "Aachen-Frankfurter Heerstraße" (AFH), die zwischen Sinzig und der Grafschaft auch den Kreis Ahrweiler durchquert, eine der wichtigsten mittelalterlichen Wegeverbindungen überhaupt. Ihr Trassenverlauf ist noch deutlich erkennbar, so wie am Königsgraben bei Kirchdaun. "Das Bodendenkmal muss unter Schutz gestellt werden", fordert Andreas Schmickler aus Kirchdaun.

Kaiser und Könige, Pilger, Händler und auch viel normales Volk ist über die alte AFH gezogen, die ab 1028 auch als "Krönungsstraße" bezeichnet wurde. Die Räder der schweren Ochsenkarren und die Hufe der Pferde haben in der Landschaft tiefe Spuren hinterlassen, die auch heute noch an verschiedenen Stellen im Kreis Ahrweiler gut zu sehen sind - am eindrucksvollsten sicherlich im Bereich der "Kaiserkammer" bei Bad Bodendorf und auch am Ortsrand von Kirchdaun. Benutzt wurde sie bis in das 19. Jahrhundert hinein. 252 Kilometer war die unbefestigte Straße lang, sie führte von Frankfurt aus nach Aachen.

In der Stadt am Main wurden mehr als 30 Könige und Kaiser gewählt, die dann in prächtigem Zug zur Krönung in die Stadt Karls des Großen zogen. Und auch dieser selbst hat sie nachweislich benutzt, schon bevor Aachen 796 geistiges Zentrum des Reiches der Karolinger wurde. Weitere urkundlich nachgewiesene Reisende auf der AFH waren zum Beispiel im Jahr 1028 Heinrich III. und 1066 Kaiser Heinrich IV.; 1153 durchquerte Kaiser Friedrich I. Barbarossa mit seinem Krönungszug den heutigen Ahrkreis und nächtigte in der Pfalz der Barbarossastadt Sinzig. 1204 ritt Philipp von Schwaben zur Königskrönung und legte 1206 auf dem Weg den Grundstein zur Burg Landskron, um die Heerstraße zu sichern. 1214 reiste Friedrich II. mit seinem ganzen Heer nach Aachen. Der Umfang eines kaiserlichen Gefolges wird auf mehr als 1000 Personen geschätzt. Auf der Heerstraße war damals ein Betrieb vergleichbar mit dem Verkehr auf der A 61.

Anders als die römischen Straßen, die schnurgerade angelegt wurden, entwickelte sich die AFH, den Bodengegebenheiten angepasst, von allein. Sie wurde nie befestigt und grub sich deshalb besonders an Steigungen tief in den oft sandigen Boden ein. Bis Sinzig folgte sie im Rheintal der alten Römerstraße, bog dann nach Bodendorf ab, stieg über 100 Meter an (am Kapellchen bei Ziersheck sind die Spuren noch besonders deutlich zu sehen), ging vorbei am Köhlerhof nach Kirchdaun (hier gibt es noch den "Königsgraben"), über das "Deutsche Eck" in Richtung Eckendorf und nach Rheinbach.

An der Fritzdorfer Mühle war mit 260 Metern der höchste Punkt der Straße erreicht. Schwer hatten die Ochsen zu ziehen, um die Karren von Sinzig aus auf die Höhe zu bringen. Mit Pferden ging es schneller, wie noch sichtbare Überholspuren beweisen. Wenn während des Mittelalters die Menschen auf Reisen gingen, waren es meist Pilgerreisen. Ziel war die Aachener Pfalzkapelle, die als bedeutendstes Wallfahrtsziel auf deutschem Boden galt. Ab 1215 wurden dort auch die Gebeine Karls des Großen verehrt. Und alle Pilger aus Süden und Westen reisten über die Straße. Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft im Spätmittelalter bekam sie weitere Bedeutung als Handelsweg, der mit Süddeutschland und Flandern zwei wichtige europäische Zentren verband.

Noch bis zu Beginn der Eisenbahnzeit gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Straße als Postroute bekannt und verlor erst danach ihre Bedeutung. Auf alten Karten und auch auf Luftaufnahmen ist wegen der veränderten Bodenfestigkeit die Trasse noch genau zu erkennen. Es müssen Millionen von Menschen gewesen sein, die in mehr als 1000 Jahren über die Straße zogen. Intensiver Ackerbau und Flurbereinigung ließen die Route mehr und mehr untergehen.

An einzelnen Stellen sind Hohlwege noch erhalten und sollten nach Ansicht von Andreas Schmickler baldmöglichst unter Denkmalschutz gestellt werden, um weiteren Verfall oder gar Überbauung zu verhindern. Entsprechende Anträge sind gestellt, wie Landrat Jürgen Pföhler auf Anfrage von Wolfgang Schlagwein in der jüngsten Kreistagssitzung bestätigte. Die Menschen aus 1000 Jahre deutscher Geschichte zogen schließlich durch unsere Gegend und über diese unbefestigte Straße. Jochen Tarrach

 

 


Quelle: Rhein-Zeitung - Ausgabe Bad Neuenahr-Ahrweiler vom 08.01.2005, Seite 11



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